IHK fordert zeitgemäßes Einzelhandelskonzept für Mainz

(27.04.2017) Vollversammlung sorgt sich um Zukunftsfähigkeit des Standortes – Ansiedlungsimpulse für Investoren – Resolution mit Appell an Stadtrat
Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen spricht sich für ein zeitgemäßes Einzelhandelskonzept für die Stadt Mainz aus. IHK-Präsident Dr. Engelbert J. Günster begründete: "Die Attraktivität der Stadt Mainz als Handelsstandort muss langfristig sichergestellt werden. Jetzt braucht es ein Konzept, von dem positive Ansiedlungsimpulse für Investoren ausgehen."
In einer Resolution fordert die Vollversammlung als „Parlament der rheinhessischen Wirtschaft“ die politischen Entscheidungsträger der Stadt dazu auf, wieder Gespräche und Verhandlungen aufnehmen, um die avisierte Modernisierung der Ludwigsstraße möglichst schnell umzusetzen. Zugleich soll ein zeitgemäßes und ausgewogenes Verkehrskonzept für den fließenden und ruhenden Verkehr entwickelt werden. Die Vollversammlung appelliert an den Stadtrat, mit hoher Priorität die hierzu erforderlichen Beschlüsse zu fassen. Die IHK leistet einen Beitrag, indem sie Hochschulen in der Region mit einer Studie zur aktuellen Situation und Attraktivität der Einkaufsstadt Mainz beauftragt und die Ergebnisse der Stadtspitze zur Verfügung stellt.
In der Resolution stellt die Vollversammlung fest, dass das Zentrenkonzept der Landeshauptstadt überholt ist. Da es nicht als Wirtschaftsentwicklungs-, sondern als reines Verhinderungskonzept wirke, müsse es in der bestehenden Form abgeschafft werden. Aus Sicht von IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz hat sich die öffentliche Debatte um das Zentrenkonzept in den vergangenen Monaten zugespitzt: "Das mittlerweile zwölf Jahre alte Konzept ist ein Steuerungsinstrument, das den Schutz des Innenstadthandels zur Intention hat und Einzelhandelsansiedlungen in städtischen Randlagen im Blick auf ihre Sortimente streng reguliert. So scheiterten zuletzt aufgrund des Zentrenkonzepts konkrete Ansiedlungswünsche im Mainzer Gewerbegebiet Hechtsheim."
Diese Situation verschärft sich durch die Tatsache, dass die Rahmenbedingungen im Handel sich derzeit rasant ändern, was auch für das Konsumverhalten der Verbraucher gilt. Jertz schildert: "Der Onlinehandel hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr professionalisiert und umfasst heute auch große Teile des Servicebereiches, mit denen früher nur der stationäre Handel punkten konnte. Folge dieser Entwicklung ist die Tatsache, dass der Online-Handel jährliche Zuwächse in zweistelliger Höhe verzeichnet."
Zugleich sehen die Mitglieder der IHK-Vollversammlung, dass die Weiterentwicklung und überfällige Modernisierung der Einkaufsstadt Mainz in der zentralen Achse der Ludwigsstraße stagniert, nachdem sich ein Investor trotz bereits konkreter Pläne eines Einkaufszentrums wieder zurückgezogen hat. Im Jahr 2012 hat die Vollversammlung den Bau des geplanten ECE-Einkaufszentrums ausdrücklich begrüßt, weil damit wieder Boden im Standortwettbewerb innerhalb des Rhein-Main-Gebiets gut gemacht werden könne. Mittlerweile ist das Gegenteil der Fall: Der Mainzer Einzelhandel verzeichnet seit Jahren signifikante Kundenverluste.
Dabei müssen im Mittelpunkt aller Überlegungen die Bedürfnisse der Kunden stehen, die es an Mainz zu binden gilt. Der Kunde fragt sowohl die Innenstadt als auch die "Grüne Wiese" nach. Aufgabe von Politik und Verwaltung ist es, zwischen der Entwicklung beider eine gesunde Balance zu finden. In der IHK-Resolution heißt es abschließend: "Keinesfalls darf Innenstadtschutz in letzter Konsequenz dazu führen, dass der Kunde am Standort gar kein Angebot vorfindet und in benachbarte Ballungsräume oder ins Internet abwandert. Solche Entwicklungen schaden dem Wirtschaftsstandort Mainz insgesamt."